Professionelles Management von Trachealkanülen und Atemwegsversorgung.
Professionelles Trachealkanülenmanagement umfasst die fachgerechte Auswahl, Pflege, Überwachung und den Wechsel von Kanülen, um Atemwege sicher freizuhalten, Aspirationen zu verhindern und bei Bedarf Sprechfähigkeit zu ermöglichen. Es erfordert strikte Hygienestandards und ein strukturiertes Sekretmanagement.
Die wichtigsten Säulen der Versorgung umfassen:
1. Tracheostomapflege & Hygiene
- Lokalversorgung: Reinigung des Tracheostomas von innen nach außen mit sterilen, angefeuchteten Kompressen (ohne Seife).
- Verbandswechsel: Die Kompresse unter dem Kanülenschild (Trachealkanülenkompresse) muss regelmäßig getauscht werden, um Hautirritationen und Infektionen zu vermeiden.
- Bändchenwechsel: Die Haltebänder müssen sicher sitzen (zwei Finger sollten darunter passen), dürfen aber nicht einschneiden.
2. Cuff-Management & Druckkontrolle
Bei geblockten Kanülen (mit Cuff/Manschette) ist die richtige Abdichtung der Luftröhre essenziell:
Druckmessung: Den Cuffdruck gibt der Hersteller des Gerätes vor und wird mit Ihrem Facharzt besprochen, um Durchblutungsstörungen der Trachealschleimhaut (Tracheomalazie) zu vermeiden.
Regelkontrolle: Der Druck ist mindestens einmal pro Schicht sowie nach jeder Manipulation, Lagerung oder Hustenstoß zu kontrollieren und zu dokumentieren.
3. Sekretmanagement & Absaugen
- Befeuchtung: Um die Verkrustung von Sekret zu verhindern, ist die Atemluft z. B. durch einen HME-Filter (Feuchttauscher) oder aktive Verneblung ausreichend zu befeuchten.
- Absaugvorgang: Nur bei Bedarf (nach dem "no-touch"- oder "sterilem" Prinzip) absaugen. Der Katheter sollte zügig, aber ohne Sog eingeführt und unter leicht drehender Bewegung vorsichtig zurückgezogen werden (Dauer max. (10-15 Sekunden)
4. Kanülenwechsel
- Intervalle: Der Wechsel der Innenkanüle erfolgt in der Regel zweimal täglich (oder bei Bedarf); der Wechsel der Außenkanüle nach ärztlicher Vorgabe alle 2 bis maximal 4 Wochen.
- Ablauf: Vorbereitung des Materials (neue Kanüle, Gleitmittel, Absaugbereitschaft), Absaugen vor dem Wechsel, patientengerechte Lagerung und vorsichtiges Einbringen der neuen Kanüle
5. Weaning & Interdisziplinärer Austausch
- Entwöhnung: Ziel ist, den Patienten – in enger Absprache mit Ärzten, Pflegefachkräften, Logopäden und Physiotherapeuten – schrittweise zu dekanülieren. Dies geschieht oft über den Einsatz von Sprechkanülen oder schrittweise Entblockungsversuche (sofern die Schluckfunktion dies zulässt)